An unpleasant talk

Ein unangenehmes Thema brachte Jimmy Carter im April 1977 auf die Tagesordnung als er in einer TV-Ansprache an die amerikanische Bevölkerung vor der drohenden Erschöpfung fossiler Brennstoffe warnte und damit eine ausserordentliche Weitsicht bewies. Im Angesicht zweier gravierender Ölkrisen lancierte der amerikanische Präsident unter dem Motto «Solar America» ein Forschungsprogramm für erneuerbare Energien und liess ein Konzept erarbeiten, das eine entsprechende Umstellung der gesamten Energieversorgung der USA bis 2050 empfahl.

artensuite, S.40, Ausgabe 05/07, Text: Nicola Schröder

Als symbolischen Akt veranlasste er im Sommer 1979 die Installation einer Solaranlage auf dem Dach des Weissen Hauses. Im Jahr darauf wurde Carter abgewählt. Unter Reagan wurden die Kollektoren wenig später wieder demontiert und das Förderprogramm für erneuerbare Energien im Laufe seiner Amtszeit nahezu eingestampft.
Wer sich an dieser Stelle fragt, was ein Diskurs in die Historie amerikanischer Energiepolitik im Kunstteil eines Kulturmagazins verloren hat, bekommt eine Ahnung von der Ratlosigkeit, die den unvorbereiteten Besucher des Fri-Art in Fribourg derzeit beschleicht, wenn er die dortigen Räumlichkeiten anlässlich der Ausstellung von Christina Hemauer und Roman Keller betritt. Sieht er sich zunächst mit einem Raum konfrontiert, der wie der unaufgeräumte Ort einer kurz zuvor stattgefundenen Pressekonferenz erscheint, bemerkt er im nächsten Augenblick zwei an die Wand geworfene blasse Dias, in denen Personen in Anzügen und eine Ansammlung von Presseleuten zu sehen sind. Untermalt wird die gesamte Installation von einer englischsprachigen Rednerstimme, die aus einem nahe stehenden Fernseher dringt. Spätestens jetzt beginnt man das Informationsblatt zu lesen, das den Besuchern am Empfang ausgehändigt wird. Mit dem Wissen ausgestattet, dass sich in dieser Installation alles um die zuvor erwähnte Solaranlage Jimmy Carters dreht, erkennt man nun auch Details wie das Wappen des amerikanischen Präsidenten auf dem zur Installation gehörigen Rednerpult und dessen Person im erwähnten Fernseher. Der Raum – mit seiner rot gepflasterten Plattform und dem Vortragsambiente – stellt eine Rekonstruktion der historischen Situation auf dem Dach des Weissen Hauses zum Zeitpunkt der Einweihung besagter Solaranlage im Sommer 1979 mit der eingespielten Rede des Präsidenten dar. Ergänzt wird die Installation im zweiten Raum der Ausstellung, wo sich mittels zweier parallel laufender Filme die Dokumentation einer Reise abspielt, die Hemauer und Keller an die Originalschauplätze der Ereignisse in die USA führte. Die Kollektoren Carters waren von Studenten der University of Maine an ihrem Lagerplatz ausfindig gemacht und auf der Cafeteria ihrer Hochschule wieder angebracht worden. Hemauer und Keller haben diesen Weg rekonstruiert und mit Augen- und Zeitzeugen darüber gesprochen. Diese Aktion wie auch die aktuelle Ausstellung gehören in den Rahmen einer im vergangenen Jahr in Zürich als «Postpetrolismus» ausgerufenen Intention, Umweltagitation und Kultur unter einen Hut zu bringen. Es handelt sich demzufolge um eine Ausstellung, die aufgrund ihrer starken Inhaltsseite nur schwer ohne Vorwissen gemeistert werden kann, zumal auch das Erläuterungsschreiben notwendige Details für ein Gesamtverständnis vorenthält. Lässt man sich auf eine eigene Recherche ein, was sicherlich im Sinne der Künstler ist, stösst man auf die oben genannten Zusammenhänge, die diesen Ausstellungsbesuch und den überschriebenen Satz «Sie scheinen Werke gegen die Demenz einer Welt zu inszenieren, in der sich die Menschheit verliert, sich vergisst und hohnvoll zugrunde geht» im Nachhinein dann doch verständlich machen. […]

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